Ein Ruf mit Folgen

„Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!“. Mit diesem Bibelwort aus Johannes 11,43 feierte die Gemeinde am 1. März 2026 den Gottesdienst für Entschlafene, dessen Botschaft nicht nur den Verstorbenen galt. 

Das Johannes-Evangelium berichtet, wie Jesus nach Betanien kommt, als Lazarus bereits mehrere Tage tot ist und man davon ausgeht, dass jede Hilfe zu spät kommt. Trotz seiner Verzögerung lässt Jesus das Grab öffnen und ruft Lazarus heraus, der daraufhin aufersteht. 

Hirte Melchior stellte die Bedeutung des Rufes in den Mittelpunkt der Predigt. Der Ruf „Komm!“ gelte den Lebenden und Toten gleichermaßen. Mit Blick auf die große Menge der unerlöst verstorbenen Menschen sei es schön zu wissen, dass der Ruf auch hinein ins Jenseits ergeht. Auch dort biete Gott seine Gnade an. 

„Welchen Inhalt hat der Ruf?“

  • Zum einen sei er ein „Ruf ins Leben“. Nur Jesus Christus könne ins Leben rufen. Das irdische Leben sei begrenzt und mache nur einen Teil der menschlichen Existenz aus. Der Ruf eröffne den Weg zum ewigen Leben.
  • Zum anderen handele es sich um einen „Ruf heraus aus dunklen Situationen“. Für Lazarus sei es ein Ruf heraus aus dem dunklen Grab gewesen. Für uns heute bedeute dies, dass Jesus uns auch in herausfordernden, verzweifelten und traurigen Augenblicken zu sich ruft. Wer seinem Ruf folgt, habe mehr Klarheit und Zuversicht. 
  • Letztlich sei der Ruf Gottes auch ein „Ruf in die Gemeinschaft“. Wer die Einsamkeit verlasse, könne in der Gemeinschaft der Gläubigen Geborgenheit finden. In ihr sei Gott in besonderer Weise erfahrbar. Dort schenke er sein Wort, segne und spende die Sakramente.

Evangelist Possin ergänzte in seinem Mitdienen, dass der Ruf ins Grab auch ein „Ruf ins Ungewisse“ sei. „Auf einmal tut sich eine Welt auf, mit der man nicht gerechnet hat. Dieser Schritt braucht liebevolle Unterstützung. 

Dann ruft uns Gott auch aus unserer alten Sichtweise heraus. Indem Gott zu uns sagt: Komm heraus aus deinem Egoismus und deiner Selbstliebe, eröffnet er uns eine völlig andere Sichtweise auf unseren Nächsten.“

Abschließend appellierte der Vorsteher, dass der Ruf Jesu auch ein Ruf sei, den man hören müsse. „Wir wollen unser Leben nach dem ewigen Leben ausrichten, auch in schwierigen Situationen auf Gott schauen und in der Gemeinschaft bleiben.“ Im anschließenden Gebet brachte die Gemeinde ihre Fürbitte zum Ausdruck, dass auch die Seelen im Jenseits die positiven Auswirkungen des Rufes Gottes verspüren können.