„Welch eine Löwin war eure Mutter!“, stellte der Priester in Richtung der Trauerfamilie zu Beginn heraus. „Viele Gemeindemitglieder mögen sie nur als hoch betagte Frau kennen, die aufgrund von geschwächten Körperkräften auf Hilfe angewiesen war.“ Aber durch die Beschreibung der Familie unserer Glaubensschwester zeigte sich ein ganz anderes Bild – Sie war eine starke Frau, hat auch in schwierigen Situationen stets für ihre Familie gesorgt und sogar Fluchterfahrungen machen müssen.
Priester Lange skizzierte einige Stationen aus dem mehr als ein Jahrhundert überspannenden Leben von Schwester Thoran. Sie selbst wurde im Jahr 1921 geboren – einer Zeit mit vielen Umbrüchen und Krisen – gebar ihren Sohn im Luftschutzbunker 1943 und musste Kartoffeln stoppeln gehen, um die Kinder satt zu bekommen. Sie legte nicht nur den Glauben in die Herzen ihrer Kinder, sondern auch den Grundstein der Beziehung zu Jesus bei ihrem Ehemann Gerhard Thoran, den sie 1953 standamtlich in einer Gaststätte heiratete. Über viele Jahrzehnte unterstützte sie auch ihren Mann in seinem Priesteramt. Die damit verbundenen Entbehrungen für das Familienleben sind nicht gering zu schätzen. Zudem nahm sieaufopfernd ihre Enkeltochter auf und begleitete ihre sterbende Tochter. Im Jahr 2000 folgte dann der Abschied von ihrem geliebten Ehemann, der von ganz viel Zuversicht auf ein baldiges Wiedersehen war. Seit 2005 lebte sie im Seniorenheim in der Gürtelstraße und wurde dort zur Institution. Ihre Familie war ein Leben lang ihr größter Schatz und inmitten dieses Schatzes durfte sie friedlich entschlafen, um endlich im Jenseits sehen zu können, wofür sie ein Leben lang wie eine Löwin gekämpft hat.
Neuapostolische Kirche