Bereits am 12. Juli 2026 hielt der Gemeindevorsteher seinen letzten Sonntagsgottesdienst. Im Mittelpunkt stand die Bitte aus dem Vaterunser: „Dein Reich komme.“ Seine Gedanken waren keine theoretische Betrachtung über eine ferne Zukunft. Vielmehr machte er deutlich, dass Gottes Reich schon heute dort beginnt, wo Menschen Jesus Christus in ihrem Herzen Raum geben und ihr Leben von seiner Liebe prägen lassen.
Mit großer seelsorgerlicher Wärme sprach er davon, dass Gottes Reich wächst, wenn Menschen bereit sind zu vergeben, wenn sie ihrem Nächsten mit Liebe begegnen und wenn sie ihre eigenen Schwächen vertrauensvoll in Gottes Hände legen. Dabei wurde spürbar, dass hinter seinen Worten viele Jahre des Dienens, Begleitens und Tröstens standen. Seine Predigt war von der Gewissheit getragen, dass Christus Menschen verändert – oft leise, manchmal unscheinbar, aber immer nachhaltig. Gleichzeitig blieb die Sehnsucht nach dem großen Ziel lebendig: dem Wiederkommen Jesu Christi und der Vollendung seines Reiches.
Diese Gedanken fanden im Abendgottesdienst am vergangenen Mittwoch ihre eindrucksvolle Fortsetzung. Es war der letzte gemeinsame Predigtdienst dreier Brüder, die am kommenden Sonntag in den Ruhestand versetzt werden. Die besondere Atmosphäre dieses Gottesdienstes war geprägt von Dankbarkeit für viele Jahre treuen Dienstes und von einer Hoffnung, die weit über den Abschied hinausreicht.
Der Gemeindevorsteher knüpfte mit seiner Predigt unmittelbar an seine Botschaft vom Juli an. Ausgehend vom Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner (Lukas 18,9 ff.) zeigte er, woran Gottes Reich im Alltag erkennbar wird. Es beginnt nicht mit menschlicher Leistung oder religiösem Stolz, sondern mit einem demütigen Herzen. Nicht der Pharisäer, der auf seine eigene Frömmigkeit vertraute, ging gerechtfertigt nach Hause, sondern der Zöllner, der sich ganz der Gnade Gottes anvertraute.
So schloss sich der Kreis seiner beiden letzten Predigten. Hatte er im Juli gezeigt, wo Gottes Reich beginnt – nämlich im Herzen eines Menschen, der Christus aufnimmt –, so machte er nun deutlich, wie dieses Reich sichtbar wird: in Demut, Barmherzigkeit und der Bereitschaft, andere nicht zu verurteilen. Nicht die eigene Leistung bringt den Menschen Gott näher, sondern allein das Vertrauen auf seine Gnade. Damit hinterließ der Gemeindevorsteher seiner Gemeinde eine Botschaft, die seinen langjährigen Dienst in besonderer Weise zusammenfasst.
Auch die beiden weiteren Amtsträger, die ebenfalls vor ihrer Ruhesetzung stehen, setzten bewegende Akzente.
Priester Krzok erinnerte daran, dass sich jeder Mensch in beiden Personen des Gleichnisses wiederfinden kann. Es gibt Augenblicke, in denen wir auf uns selbst stolz sind, und andere, in denen wir unsere Fehler erkennen und ganz auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen sind. Deshalb, so seine eindringliche Botschaft, sollte der Blick zuerst auf das eigene Herz gerichtet sein und nicht auf die Schwächen anderer.
Mit dem Bild einer Bergwanderung machte er deutlich, dass viele Menschen auf unterschiedlichen Wegen unterwegs sind, das gemeinsame Ziel aber die Gemeinschaft mit Gott bleibt. Daraus erwächst die Aufgabe, anderen mit Respekt, Offenheit und Liebe zu begegnen. Gott allein kennt das Herz eines Menschen.
Gemeindeevangelist Possin lenkte den Blick schließlich auf den Kern des Evangeliums. Christen sind nicht deshalb Hoffnungsträger, weil sie bessere Menschen wären, sondern weil sie von Gottes Gnade leben. Alles, was sie besitzen, ist Geschenk Gottes. Gerade dieses Bewusstsein bewahrt vor Selbstgerechtigkeit und macht frei, anderen mit Geduld, Liebe und Vergebung zu begegnen. Das Heilige Abendmahl wurde dabei als sichtbares Zeichen dieser unverdienten Gnade hervorgehoben und zugleich als Stärkung auf dem Weg zur Wiederkunft Christi.
So bildeten beide Gottesdienste eine beeindruckende geistliche Einheit. Die Gedanken des Gemeindevorstehers vom 12. Juli fanden in seiner letzten Predigt vor der Ruhesetzung ihre Vollendung. Zugleich ergänzten die beiden Mitdienenden Amtsträger diese Botschaft mit persönlichen Glaubenserfahrungen, die ebenfalls wie ein Vermächtnis ihres langjährigen Dienstes wirkten.
Was alle drei Predigten verband, war die klare Ausrichtung auf das Wesentliche: Gottes Reich beginnt dort, wo Menschen Christus Raum geben. Es wächst durch Demut, Liebe und Vertrauen auf Gottes Gnade. Und es findet seine Vollendung, wenn Jesus Christus wiederkommt.
Mit großer Dankbarkeit verabschiedet die Gemeinde Berlin-Prenzlauer Berg ihre drei langjährig dienenden Amtsträger in den Ruhestand. Ihr Dienst war geprägt von der Verkündigung des Evangeliums, von seelsorgerlicher Begleitung und von der Hoffnung auf das Wiederkommen Christi. Diese Hoffnung haben sie ihrer Gemeinde nicht nur gepredigt – sie haben sie über viele Jahre glaubwürdig vorgelebt.
Besonders bewegend wurde der Gottesdienst zum Abschluss. Im Fürbittengebet richtete der Vorsteher den Blick nicht auf sich selbst, sondern auf die Zukunft der Gemeinde. Mit herzlichen Worten bat er Gott um seinen Segen für den neuen Gemeindevorsteher, der am kommenden Sonntag sein Amt übernehmen wird.
Er bat darum, dass Gott ihm Kraft aus der Höhe, Weisheit, gute Gedanken und neue Impulse für die Gemeinde schenken möge. Noch bewegender war seine Bitte, der Nachfolger möge spüren, dass er von der Gemeinde geliebt, getragen und unterstützt wird. Darin zeigte sich die tiefe Verantwortung und Liebe eines Hirten, dem das Wohl der Gemeinde wichtiger ist als die eigene Person.
Auch für die Zukunft der Gemeinde brachte er seine Wünsche vor Gott: dass neue Kräfte und Mitarbeiter heranwachsen, dass die Gemeinde weiterhin unter der Führung der Apostel bleibt und das Wiederkommen Jesu Christi stets Mittelpunkt des Glaubenslebens bleibt.
So schloss sich an die Predigt über Demut, Barmherzigkeit und das Vermeiden von Selbstgerechtigkeit ein Gebet an, das diese Haltung eindrucksvoll widerspiegelte. Wer den Gottesdienst miterlebte, konnte spüren, dass hier ein Vorsteher Abschied nahm, der seine Gemeinde mit Liebe begleitet hat und sie nun vertrauensvoll in Gottes Hände und in die Verantwortung seines Nachfolgers legt.
Neuapostolische Kirche